Archiv für März 2019

Hintergrundinformationen: Neonazi-Konzert in Bitz am 2. März 2019

switch off Nazi-Musicf

Am Samstag, dem 2. März 2019, hat in der „Schwäbischen Hochalbhalle“ des Kleintierzüchtervereins in Bitz (Zollernalbkreis) ein Neonazi-Konzert mit den Bands „Germanium“, „Kommando 192“ und „Kodex Frei“ stattgefunden. [1]
Darauf wies noch am selben Tag ein Tweet von „Allgäu Rechtsaußen“ hin. Inzwischen hat der Watchblog „Allgäu ⇏ rechtsaußen“ einen Bericht über seine Recherche vor Ort veröffentlicht. [2]
An der Veranstaltung nahmen zwischen 100 und 200 Personen teil.
Die Lokalität in Bitz für das Konzert wurde laut Pressebericht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangt.

Zuvor wurde bereits auf dem Informationsportal „Blick nach Rechts“ auf ein bevorstehendes Neonazi-Konzert in „Süddeutschland“ hingewiesen. [3]

Hier ein paar Hintergrundinformationen zu den Rechtsrockbands, die laut Ankündigung in Bitz aufgetreten sind:
- Die Band „Germanium“ aus dem Kraichgau wurde 2016 gegründet. Mitglieder der Bands sind in weiteren Rechtsrockbands wie „Blue Max“ und „Sturmbrüder“ oder in Gruppen wie „Weiße Rebellion“ organisiert.
- Die vierköpfige Band „Kommando 192“ aus dem Raum Enzkreis wurde im September 2012 gegründet.
- Die Band „Kodex Frei“ aus dem Oberallgäu wurde 2009 als „Codex Frei“ gegründet.

Veranstalter des Konzerts war eine „Sektion SüdWürttemberg“.
Ein Facebook-Eintrag bei „Germanium“ weist darauf hin das es sich bei dem Konzert auch gleichzeitig um eine Geburtstagsfeier handelte.
Germanium Facebook

Neonazistischer Rechtsrock ist nicht nur einfach ein Musikstil mit politischen Texten, sondern die Begleitmusik zu Mord und Totschlag. Mehrere rechte Morde standen im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Musik, durch die sich die Täter in ihrem Hass aufputschten.
Außerdem dient die Musik der politischen Propaganda. Der verstorbene britische Neonazi-Aktivist Ian Stuart Donaldson, ein Urgestein des international vernetzten Rechtsrock, meinte einmal in Fernsehinterview in den 1980ern: „Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann.“
Obwohl die Neonazi-Konzerte in Baden-Württemberg in Vergleich zu den 1990er und 2000er Jahren in Zahl und Publikumsgröße abgenommen haben, finden jährlich immer noch mehrere statt. Hinzu kommen Liedermacher-Auftritte in zunehmender Anzahl und Konzerte in der Schweiz und in Frankreich, die maßgeblich von Baden-Württemberg aus mit organisiert oder besucht werden.

Die antifaschistische Kampagne „Alboffensive – kein brauner Alb(t)raum“ findet es empörend das ein solches Konzert trotz der Kenntnis der Polizei ungestört stattfinden konnte.
Wir begrüßen die Distanzierung des Vereins, dem die Halle gehört.
Ein starkes Zeichen wäre es, wenn der Verein seine Mieteinnahmen einem Verein spenden würde, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert.

ANMERKUNGEN
[1] Sebastian Lipp: Neonazis unter sich, 4. März 2019, https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2019/03/04/neonazis-unter-sich_28146; Karina Eyrich: Rechte Szene trifft sich zu geheimem Konzert, 06.03.2019, https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bitz-rechte-szene-trifft-sich-zu-geheimem-konzert.9168f402-9dc3-4384-9bcf-005fc350dda7.html
[2] Sebastian Lipp: Neonazis unter sich, 7. März 2019, https://allgaeu-rechtsaussen.de/2019/03/07/bitz-neonazis-unter-sich/
[3] Sebastian Lipp: Konspirativer Rechtsrock in Süddeutschland, 20.02.2019, https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/konspirativer-rechtsrock-in-s-ddeutschland