Immer wieder Burladingen!

Wir, die antifaschistische Kampagne Alboffensive, beteiligen uns heute an den Protesten gegen das Treffen der AfD-Hardliner in Burladingen.
Ursprünglich war das Treffen in Ulm angekündigt, musste sich aber nach der Kündigung der Räumlichkeiten durch die Stadt einen neuen Ort suchen. Der wurde in Burladingen gefunden. Kein Zufall, denn Burladingen hat mit Harry Ebert bundesweit den einzigen Bürgermeister mit AfD-Parteibuch. Auch wenn er als unabhängiger Kandidat gewählt wurde.
Harry Ebert ist seit 1999 Bürgermeister von Burladingen. Zuletzt wurde er 2016 mit einer Wahlbeteiligung von 28,2 Prozent mit 83 Prozent als Rathauschef bestätigt. Seine Amtszeit als Bürgermeister endet regulär 2023. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn es nicht mehr solange dauert.
Denn Ebert wurde als parteiloser Kandidat gewählt. Erst am 8. März 2018 trat er der rechtspopulistischen AfD bei. Sein Weg zur AfD war aber schon davor deutlich erkennbar. Etwa an seinen Facebook-Likes für Gruppen wie „Merkel muss weg“ oder „Ich bin stolz, Deutsch zu sein“. Oder seiner geposteten Wahlwerbung für die AfD seit dem Januar 2016. Oder als am 24. September 2017 in „Dianas Hendl-Alb“ in Burladingen die Wahlparty der AfD Zollernalb stattfand und er mit von der Partie war.
Das AfD-Mitglied Ebert ist nicht allein. Im Juni 2018 gründete sich ein AfD-Ortsverband Burladingen, in dessen Vorstand er Beisitzer ist.
Eberts autoritäres Agieren und seine Liste an Verfehlungen und Skandalen reichen noch viel weiter zurück. Er behinderte immer wieder Aktivitäten gegen Rechts oder ignorierte etwa 2012 eine Feierstunde an der Grabstätte der Burladinger Sinti-Familie Reinhardt anlässlich deren Einweihung als Gedenkstätte.

Doch, wir müssen es schonungslos so sagen: Harry Ebert ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges.
Es tut uns leid, aber wir können nicht einfach so tun, als wären nur der Bürgermeister oder die heutige AfD-Veranstaltung das Problem.
So begrüßenswert die Teilnahme aller Menschen aus Burladingen und Umgebung an dieser Kundgebung auch ist. Wir müssen endlich ehrlich zugeben das Burladingen ein Problem hat. Ein rechtes Problem. Dem müssen sich diejenigen, die nicht unmittelbar Teil dieses Problems sind, offen stellen. Erfahrungsgemäß wird ein Problem nämlich nicht kleiner, wenn es ignoriert wird.

Was die Wahlergebnisse angeht, so ist Burladingen eine Hochburg der AfD. Die Wahlhochburgen der AfD lagen zur Landtagswahl 2016 innerhalb des Wahlkreis Balingen unter anderem in Burladingen-Killer mit 29,5%, in Burladingen-Hausen mit 25,6%.
In Burladingen herrschen also quasi sachsen-anhaltinische Verhältnisse vor.
Wir betrachten diese Wahlergebnisse auch als Ergebnis der jahrelangen Ignoranz des rechten Problems in Burladingen. Diese Ignoranz wurde aktiv von Harry Ebert angeführt als er beispielsweise den Rat gab, den Hitlergruß zu ignorieren. Obwohl er als ehemaliger Polizeibeamter sehr gut weiß das ein Hitlergruß eine Straftat darstellt.

Im Schatten dieser Ignoranz wuchs und gedieh in Burladingen eine Neonazi-Szene die proportional zur Bevölkerung ungewöhnlich groß ist. Die Schätzungen eines Burladingers gehen von etwa 50-60 Neonazis aus, von denen ungefähr 35 Nazi-Skinheads sind.
Im kleinen Burladingen existierte bereits 1990 bis 1995 das zentrale Postfach der deutschen Hammerskins, eines neonazistischen Skinhead-Netzwerk, welches sich in der Tradition von Hitlers SA sieht.
Den braunen Hochburg-Charakter Burladingens belegt auch die Auswertung der Daten aus der gehackten Thor-Steinar-Kundendatei von 2009. „Thor Steinar“ war und ist eine Modemarke der rechten Szene. Der Hack ergab für Burladingen 23 Adressen, im Vergleich dazu hatte Balingen „nur“ 11 Adressen.
Diese Neonazi-Szene gibt es seit Jahrzehnten und sie scheint immer wieder einen Generationswechsel zu schaffen.
Auch die Älteren haben ihre braune Gesinnung offenbar nicht abgelegt. Auch wenn sie in den örtlichen Vereinen Fußball spielen und ihre Haare wieder wachsen lassen haben.
Viele Namen derjenigen, die 2005 bis 2010 wegen rassistischer Übergriffe und Angriffe auf nichtrechte Jugendliche auffällig worden, tauchen auch wieder auf bei Facebook unter gemeinsamen Bildern vor Reichskriegsflaggen auf.

Immer noch tauchen Hakenkreuzschmiereien in und um Burladingen auf. Für bundesweite Schlagzeilen sorgten die rechten Schmierereien in der Nacht vom 27. auf den 28. April 2015 auf Gebäude wie das Rathaus, das Kino sowie den Polizeiposten in Burladingen.
Anlass war mutmaßlich eine Filmvorführung der antifaschistischen Dokumentation „Blut muss fließen“ durch uns, die Alboffensive. Den Schaden bezifferte die Polizei damals auf mehrere tausend Euro.
Wir erinnern uns auch noch gut daran, wie bei einer antifaschistischen Alb-Tour am 20. September 2013 in Burladingen 20 Neonazis auf die Antifaschistinnen und Antifaschisten warteten. Die Polizei musste uns damals schützen.

Ein Teil der Burladingerinnen und Burladinger würde das gerne vergessen oder ignorieren. Doch Abwehrreflexe helfen nicht weiter. Ebenfalls nicht hilfreich ist es, wenn die demokratischen Parteien sich im selben Lokal treffen, in dem auch die AfD und die ReichsbürgerInnen verkehren. Es muss klar heißen „Entweder oder!“. Toleranz die der Intoleranz gilt, ebnet letzteren den Weg. Oder um es mit dem Schriftsteller Umberto Eco zu sagen: „Um tolerant zu sein, muss man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“

Wir als Alboffensive arbeiten daran und benennen klar die Probleme. Auf die Gefahr hin als Störfaktor zu gelten und angefeindet zu werden, auch von solchen, die lieber ihre Ruhe hätten.
Wer uns dabei unterstützen möchte findet Kontakt über Facebook, Twitter, Instagramm oder unseren Blog ao.blogsport.de.