Archiv für Februar 2019

Zum Treffen der AfD-HardlinerInnen in Burladingen am 9. Februar 2019

Während es am 9. Februar 2019 in Burladingen vor der Stadthalle hieß „AfD – Rassistenpack, wir haben Dich zum kotzen satt!“, wurden drinnen beraten, wie man die Partei noch weiter nach rechts verschieben könne. Hier trafen sich am Samstag 14 bis 17.30 Uhr etwa 250 WutbürgerInnen in der AfD.
Trotz der „Höcke“-Rufe zu Veranstaltungsbeginn handelte es um keine offizielle Veranstaltung von „Der Flügel“, also der Strömung um Björn Höcke. Ausgerichtet wurde die „Dialogveranstaltung über die Zukunft Deutschlands und unserer Partei“ von den InitiatorInnen der „Stuttgarter Erklärung“ in der AfD, die sich gegen Parteiausschlüsse richtet.
AfD in Burladinger Stadthalle
Per Livestream konnte man sich einen Eindruck davon verschaffen, wie die Abgehängten in der rechtspopulistischen Partei so drauf waren. Sie entpuppten sich als ziemlicher Narrensaum, der mit seinen Streitereien in der Partei und Klagen gegen den eigenen Vorstand das eigene Projekt torpediert. Da wurde viel dreckige Wäsche gewaschen.
Dem Zuschauer boten sich Redebeiträge, die irgendwo zwischen Realsatire und Ohrenbluten anzusiedeln sind.

Zu Beginn verkündete die baden-württembergische Landtagsabgeordnete Christina Baum ihren „ganz besonderen Gruß“ an die „Burladinger Stadtverwaltung und Harry Ebert“.

Dann trat der Moderator Jürgen Elsässer auf, der meinte, es täte ihm als gebürtigen Pforzheimer „in der Seele weh, wenn Städte wie Pforzheim zu islamisch besetzten Zonen werden“.

Danach trat der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Stefan Räpple auf, der seinen Parteifreund Wolfgang Gedeon verteidigte: „Wolfgang Gedeon ist kein Antisemit. Und dafür stehe ich!“
Weiter meinte er: „Wer die Altparteien wählt den Untergang Deutschlands!“
Außerdem rief er dazu auf den eigenen Landesvorstand abzuwählen. Warum? Weil dieser ein Ausschlussverfahren gegen Räpple angestrengt hat, dem jetzt deswegen das Wasser bis zum Hals steht. Er nannte das Verfahren einen „Vernichtungsfeldzug gegen meine Person“.

Die schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Doris von Sayn-Wittgenstein beklagte sich, von der „Holocaustkeule“ überraschend getroffen worden zu sein und schimpfte über die Medien als „Feindpresse“.
Sayn-Wittgenstein hat derzeit sogar eine Anzeige wegen Nötigung und Verleumdung gegen Mitglieder des AfD-Bundesvorstandes erstattet.

So ging es in einer Tour munter weiter. Die Abgehängten in der AfD beklagten viel und lamentierten. Im Gegensatz zu dem Flügel um Höcke fehlt dieser Ansammlung aber Disziplin und Kontur. Sie sind in Machtkämpfe verstrickt, die sie derzeit verlieren. Die Hoffnung aus der bundesweiten Versammlung von Abgehängten in ihrer eigenen Partei eine starke Unterstützungsbasis zu formen, war von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Zu wirr und realitätsfern waren diese AfD-Ultras. Mit Höcke teilen sie viele Inhalte, z.B. das Verständnis der AfD als Bewegungspartei, aber es fehlt ihnen an Disziplin und Unterordnung.

- Anwesende AfD-Landtagsabgeordnete: Jessica Bießmann (Berlin), Stefan Räpple (BaWü), Christina Baum (BaWü), Doris von Sayn-Wittgenstein (Schleswig-Holstein), Jens Ahnemüller (Rheinland-Pfalz), Gabriele Bublies-Leifert (Rheinland-Pfalz)
- Mitveranstalter: Eugen Ciresa
- Diskussionleitung: Jürgen Elsässer

Vorläufige Auswertung der Proteste gegen die AfD in Burladingen

Am 9. Februar 2019 tagten die HardlinerInnen der AfD in der Burladinger Stadthalle. Die Veranstaltung war kurzfristig von Ulm nach Burladingen verlegt worden. Dies geschah auf Grund einer Absage durch die Stadt. Sicherlich verbanden die OrganisatorInnen damit aber auch die Hoffnung sich im kleinen Burladingen ungestört treffen zu können, denn in Ulm wurden schon seit Wochen Gegenproteste organisiert.
Doch auch in Burladingen wurden solche innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt. Das Bündnis „Burladingen bleibt bunt“ organisierte einen ökumenischen Gottesdienst und einen Infostand auf dem Rathausplatz, der aber leider bereits vor 12 Uhr wieder abgebaut wurde.
So existierte kein offizieller Anlaufpunkt für Menschen, die ihren Protest gegen die AfD ausdrücken wollten.
Die Alboffensive hatte sich dagegen entschieden selbst eine Kundgebung anzumelden, weil dann die Daten des/der Anmelder*in sich im Besitz einer Behörde befunden hätten, an deren Spitze sich mit Harry Ebert ein AfD-Mitglied befindet. Dafür bitten wir um Verständnis.
Im Gegensatz zu dem kurzlebigen Infostand fanden wir den Aufruf des Bündnis „Burladingen bleibt bunt“ zum Protestparken sehr begrüßenswert und kreativ. Das Bündnis hatte dazu aufgerufen, Fahrzeuge auf möglichen Parkplätzen für TeilnehmerInnen an der der AfD-Veranstaltung zuzuparken und das auch mit einem Flyer mit der Aufschrift „Ihr seid nicht willkommen“ an der Windschutzscheibe kenntlich zu machen.

Obwohl es also keine angemeldete Gegen-Kundgebung gab, sammelten sich im Verlauf des Samstags knapp 150 Menschen direkt vor den Polizei-Sperrgittern der Burladinger Stadthalle, um ihren Protest gegen die AfD-Veranstaltung auszudrücken.
AfD-Demo in Burladingen
Es war eine bunte Mischung von örtlichen Jugendlichen und Erwachsenen, Vertreter*innen von Gewerkschaften und Parteien wie der SPD und aus Städten wie Tübingen oder Ravensburg angereisten organisierten Antifaschist*innen.
Mindestens die Hälfte der Protestierenden kam aus dem Zollernalbkreis und es bestanden keine erkennbaren Vorbehalte zwischen eher autonomen und eher bürgerlichen AfD-Gegner*innen.
Diese Vorbehalte wurden im Vornherein leider auch von dem Ortsverband der Grünen explizit geschürt als dieser appellierte sich nicht an direkten Protesten zu beteiligen. Die Burladinger Grünen können das ja für sich gerne so handhaben, müssen es aber nicht als öffentlichen Appell verbreiten. Jedenfalls bewies damit der Grünen-Ortsverband eine peinliche Geschichtsvergessenheit in Bezug auf die eigene Parteigeschichte. Die Grünen sind aus einer ökologischen Protestbewegung entstanden und ohne die Demonstrationen im Wendland und anderswo hätten sie nie solchen Erfolg gehabt.

Die Alboffensive hielt spontan einen – ursprünglich für den Infostand verfassten – Redebeitrag mit dem Titel „Immer wieder Burladingen!“, in dem wir auf den rechten Hochburg-Charakter aufmerksam machten. Der Beitrag kann hier nachgelesen werden.
In dieser Einschätzung wurden wir prompt wieder bestätigt. Ein Auto mit Balinger Nummernschild und mehreren mutmaßlichen Neonazis fuhr mehrfach an den abreisenden Demonstrant*innen vorbei und es wurde „Haut ab aus Burladingen!“ aus dem geöffneten Fenster geschrien.
Auch direkt an den Protestierenden vor der Stadthalle lungerte eine Gruppe von vier älteren Männern, von denen mindestens einer dem Reichsbürger-Spektrum zuzurechnen ist, herum, bis sie weggeschickt wurden.

Fazit: Deutliches Zeichen gesetzt!
Wir von der Alboffensive ziehen insgesamt ein positives Fazit der Proteste. Es wurde ein deutliches Zeichen gesetzt. Auch in Burladingen erfährt die AfD Gegenwind und das war wichtig. Ohne vernehmbaren Gegenprotest besteht die Gefahr das die Stadthalle ein dauerhafter Veranstaltungsort für die AfD wird, protegiert vom AfD-Bürgermeister.
Ebert raus!
Ein dickes Dankeschön geht an die Bürger*innen von Burladingen und an die von weiter Angereisten, die sich nicht von einer Teilnahme abschrecken lassen haben!!!

Immer wieder Burladingen!

Wir, die antifaschistische Kampagne Alboffensive, beteiligen uns heute an den Protesten gegen das Treffen der AfD-Hardliner in Burladingen.
Ursprünglich war das Treffen in Ulm angekündigt, musste sich aber nach der Kündigung der Räumlichkeiten durch die Stadt einen neuen Ort suchen. Der wurde in Burladingen gefunden. Kein Zufall, denn Burladingen hat mit Harry Ebert bundesweit den einzigen Bürgermeister mit AfD-Parteibuch. Auch wenn er als unabhängiger Kandidat gewählt wurde.
Harry Ebert ist seit 1999 Bürgermeister von Burladingen. Zuletzt wurde er 2016 mit einer Wahlbeteiligung von 28,2 Prozent mit 83 Prozent als Rathauschef bestätigt. Seine Amtszeit als Bürgermeister endet regulär 2023. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn es nicht mehr solange dauert.
Denn Ebert wurde als parteiloser Kandidat gewählt. Erst am 8. März 2018 trat er der rechtspopulistischen AfD bei. Sein Weg zur AfD war aber schon davor deutlich erkennbar. Etwa an seinen Facebook-Likes für Gruppen wie „Merkel muss weg“ oder „Ich bin stolz, Deutsch zu sein“. Oder seiner geposteten Wahlwerbung für die AfD seit dem Januar 2016. Oder als am 24. September 2017 in „Dianas Hendl-Alb“ in Burladingen die Wahlparty der AfD Zollernalb stattfand und er mit von der Partie war.
Das AfD-Mitglied Ebert ist nicht allein. Im Juni 2018 gründete sich ein AfD-Ortsverband Burladingen, in dessen Vorstand er Beisitzer ist.
Eberts autoritäres Agieren und seine Liste an Verfehlungen und Skandalen reichen noch viel weiter zurück. Er behinderte immer wieder Aktivitäten gegen Rechts oder ignorierte etwa 2012 eine Feierstunde an der Grabstätte der Burladinger Sinti-Familie Reinhardt anlässlich deren Einweihung als Gedenkstätte.

Doch, wir müssen es schonungslos so sagen: Harry Ebert ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges.
Es tut uns leid, aber wir können nicht einfach so tun, als wären nur der Bürgermeister oder die heutige AfD-Veranstaltung das Problem.
So begrüßenswert die Teilnahme aller Menschen aus Burladingen und Umgebung an dieser Kundgebung auch ist. Wir müssen endlich ehrlich zugeben das Burladingen ein Problem hat. Ein rechtes Problem. Dem müssen sich diejenigen, die nicht unmittelbar Teil dieses Problems sind, offen stellen. Erfahrungsgemäß wird ein Problem nämlich nicht kleiner, wenn es ignoriert wird.

Was die Wahlergebnisse angeht, so ist Burladingen eine Hochburg der AfD. Die Wahlhochburgen der AfD lagen zur Landtagswahl 2016 innerhalb des Wahlkreis Balingen unter anderem in Burladingen-Killer mit 29,5%, in Burladingen-Hausen mit 25,6%.
In Burladingen herrschen also quasi sachsen-anhaltinische Verhältnisse vor.
Wir betrachten diese Wahlergebnisse auch als Ergebnis der jahrelangen Ignoranz des rechten Problems in Burladingen. Diese Ignoranz wurde aktiv von Harry Ebert angeführt als er beispielsweise den Rat gab, den Hitlergruß zu ignorieren. Obwohl er als ehemaliger Polizeibeamter sehr gut weiß das ein Hitlergruß eine Straftat darstellt.

Im Schatten dieser Ignoranz wuchs und gedieh in Burladingen eine Neonazi-Szene die proportional zur Bevölkerung ungewöhnlich groß ist. Die Schätzungen eines Burladingers gehen von etwa 50-60 Neonazis aus, von denen ungefähr 35 Nazi-Skinheads sind.
Im kleinen Burladingen existierte bereits 1990 bis 1995 das zentrale Postfach der deutschen Hammerskins, eines neonazistischen Skinhead-Netzwerk, welches sich in der Tradition von Hitlers SA sieht.
Den braunen Hochburg-Charakter Burladingens belegt auch die Auswertung der Daten aus der gehackten Thor-Steinar-Kundendatei von 2009. „Thor Steinar“ war und ist eine Modemarke der rechten Szene. Der Hack ergab für Burladingen 23 Adressen, im Vergleich dazu hatte Balingen „nur“ 11 Adressen.
Diese Neonazi-Szene gibt es seit Jahrzehnten und sie scheint immer wieder einen Generationswechsel zu schaffen.
Auch die Älteren haben ihre braune Gesinnung offenbar nicht abgelegt. Auch wenn sie in den örtlichen Vereinen Fußball spielen und ihre Haare wieder wachsen lassen haben.
Viele Namen derjenigen, die 2005 bis 2010 wegen rassistischer Übergriffe und Angriffe auf nichtrechte Jugendliche auffällig worden, tauchen auch wieder auf bei Facebook unter gemeinsamen Bildern vor Reichskriegsflaggen auf.

Immer noch tauchen Hakenkreuzschmiereien in und um Burladingen auf. Für bundesweite Schlagzeilen sorgten die rechten Schmierereien in der Nacht vom 27. auf den 28. April 2015 auf Gebäude wie das Rathaus, das Kino sowie den Polizeiposten in Burladingen.
Anlass war mutmaßlich eine Filmvorführung der antifaschistischen Dokumentation „Blut muss fließen“ durch uns, die Alboffensive. Den Schaden bezifferte die Polizei damals auf mehrere tausend Euro.
Wir erinnern uns auch noch gut daran, wie bei einer antifaschistischen Alb-Tour am 20. September 2013 in Burladingen 20 Neonazis auf die Antifaschistinnen und Antifaschisten warteten. Die Polizei musste uns damals schützen.

Ein Teil der Burladingerinnen und Burladinger würde das gerne vergessen oder ignorieren. Doch Abwehrreflexe helfen nicht weiter. Ebenfalls nicht hilfreich ist es, wenn die demokratischen Parteien sich im selben Lokal treffen, in dem auch die AfD und die ReichsbürgerInnen verkehren. Es muss klar heißen „Entweder oder!“. Toleranz die der Intoleranz gilt, ebnet letzteren den Weg. Oder um es mit dem Schriftsteller Umberto Eco zu sagen: „Um tolerant zu sein, muss man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“

Wir als Alboffensive arbeiten daran und benennen klar die Probleme. Auf die Gefahr hin als Störfaktor zu gelten und angefeindet zu werden, auch von solchen, die lieber ihre Ruhe hätten.
Wer uns dabei unterstützen möchte findet Kontakt über Facebook, Twitter, Instagramm oder unseren Blog ao.blogsport.de.

Hintergrundinformationen: Rechtes AfD-Treffen am 9. Februar in Burladingen geplant

Am Samstag, dem 9. Februar 2019, will sich im kleinen Städtchen Burladingen (Zollernalbkreis) die Hardliner-Fraktion der AfD treffen. Konkret sind es die InitiatorInnen des „Stuttgarter Aufruf“, die hier ungestört diskutieren möchten. Sie wollen unter dem Motto „Dialogveranstaltung über die Zukunft Deutschlands und unserer Partei“ über Parteiausschlussverfahren gegen einige Mitglieder und über die Beobachtung durch den Inlandsgeheimdienst reden.
Es ist ein Treffen derjenigen AfD-FunktionärInnen, denen die AfD tatsächlich noch zu zurückhaltend und zu zahm ist. Alle angekündigten TeilnehmerInnen sind zu keinerlei realpolitischen Zugeständnissen bereit. Die Diskutierenden sind inhaltlich vor allem dem protofaschistischen Flügel um den Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke zuzurechnen. Allerdings scheint sich ein Teil von ihnen keinerlei Disziplin unterordnen zu wollen, auch nicht der des Höcke-Flügels. Ein Teil der Angekündigten ist deswegen derzeit von Parteiausschlüssen bedroht.
Ursprünglich war das Treffen in Ulm angekündigt, musste sich aber nach der Kündigung der Räumlichkeiten durch die Stadt einen neuen Ort suchen [1]. Den hat sie in Burladingen gefunden. Kein Zufall, denn Burladingen hat mit Harry Ebert bundesweit den einzigen Bürgermeister mit AfD-Parteibuch – auch wenn er als unabhängiger Kandidat gewählt wurde.

Schau mal, wer da kommt!
Folgende AfD-Kader sind in Burladingen angekündigt:
* Eugen Ciresa wird die Begrüßung übernehmen. Ciresa kommt aus Allmendingen bei Ulm und ist Mitarbeiter der AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum. Außerdem ist er AfD-Kreissprecher in Ulm und war Vorstandsmitglied der „Patriotischen Plattform Baden-Württemberg“. Er nahm an PEGIDA-Demos in Würzburg 2014 und in München 2015 teil und soll laut Recherchen der „Autonomen Antifa Freiburg“ selbst an PEGIDA Baden-Württemberg beteiligt gewesen sein.
* Schirmherrin der Veranstaltung ist die AfD-Landtagsabgeordnete Christina Baum. Die Wochenzeitung Kontext nannte sie im Mai 2018 zu Recht den „Björn Höcke für den Süden“. Die Zahnärztin aus Lauda-Königshofen im Main-Tauber-Kreis ist Unterzeichnerin der „Erfurter Resolution“ von Björn Höcke aus dem Jahr 2015.
Sie war Anmelderin der rechten Demo in Kandel am 3. März 2018, bei der bürgerliche RassistInnen und Neonazis einvernehmlich nebeneinander marschierten. Baum ist eine Art rechte Demotouristin, u.a. mit Aufenthalten in Erfurt (28.10.15, 13.01.16), Köthen in Sachsen-Anhalt (16.09.2018), in Berlin (17.02.2018) oder Mainz (21.07.18). Selbst in Wien sprach sie im April 2018 als Rednerin auf der Demo „Kandel ist überall“.
In ihren Reden schwadroniert sie von einer „rot-grün-linken Meinungsdiktatur in unserem Land“ oder warnt vor einem „schleichenden Genozid der deutschen Bevölkerung“.
* Auch Baums Landtagskollege Stefan Räpple soll an dem Treffen in Burladingen teilnehmen. Räpple aus Freiburg sitzt seit 2016 für die AfD im Stuttgarter Landtag. Hier machte er immer wieder durch verbale Ausfälle auf sich aufmerksam, die selbst einem Teil seiner eigenen FraktionskollegInnen peinlich zu sein scheinen. So rief er etwa am 9. November 2016 während einer Landtagsdebatte im Plenum mehrmals „Volksverräter“, wofür er am Tag darauf einen Ordnungsruf erhielt. Räpple ist gut befreundet mit dem antisemitischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon, der zwar die AfD-Fraktion, nicht aber die Partei verlassen hat.
Räpple sprach am 22. Dezember 2017 bei PEGIDA Mittelfranken in Fürth und am 14. Dezember 2018 in Oelsnitz (Erzgebirge) auf einem Treffen von „Die Nationalkonservativen“, die sich wenig später unter André Poggenburg abspalteten.
Gerne inszeniert sich Räpple in seinen Reden und Beiträgen als Lautsprecher eines wütenden Mobs. So meinte er im November 2016: „Andere würden beim Totalversagen den Bundestag mit Mistgabeln stürmen und die Abgeordneten aufhängen, ich dagegen habe doch einfach nur in einem Parlament ‘Volksverräter’ gesagt, was ist daran verboten oder skandalös?“
Räpple ist innerhalb der baden-württembergischen AfD mit Ausschlussforderungen konfrontiert.
* Eine weitere Teilnehmerin des Treffens ist Christiane Christen aus Rheinland-Pfalz. Die Inhaberin einer Werbeagentur gilt in ihrem Landesverband als Repräsentantin des Höcke-Flügels. Mit der eher pragmatisch orientierten Mehrheit im Landesvorstand um den Fraktionschef Uwe Junge liegt sie im Dauerstreit.
Als Rednerin war sie auf einer PEGIDA-Nederland-Demo in Enschede am 17. September 2017 angekündigt, sprach dann aber doch nicht.
* Ebenfalls angekündigt ist Jessica Bießmann aus Berlin. Die Automobilkauffrau sitzt für die AfD im Berliner Senat. Anders als ihr Landes- und Fraktionschef Pazderski setzte sie auf eine Zusammenarbeit mit PEGIDA und Co.
Sie twitterte im Jahr 2008 ein Foto Angela Merkels mit dem Kommentar: „Diese Irre! Träumt von einer neuen Rasse!“ und schrieb weiter von einer angestrebten „eurasisch-negroiden Mischrasse“.
Außerdem ließ sie sich vor Jahren in pikanten Posen vor Weinflaschen mit Hitler-Porträts im Hintergrund fotografieren. Das war der Anlass das im Oktober 2018 die Berliner AfD ein Ausschlussverfahren gegen sie einleitete. Eigentlicher Grund dürfte aber der Macht- und Strategie-Konflikt zwischen ihr und der Berliner AfD-Spitze sein.
* Als weitere prominente Teilnehmerin ist Doris von Sayn-Wittgenstein aus Schleswig-Holstein angekündigt. Auch diese AfD-Landtagsabgeordnete ist mit ihrer eigenen Landtagsfraktion zerstritten. Die Rechtsanwältin wurde am 4. Dezember 2018 aus der Fraktion geworfen und der Bundesvorstand erklärte am 17. Dezember 2018, dass sie bis zur Schiedsgerichts-Entscheidung von allen Parteiämtern ausgeschlossen werde. Daraufhin trat sie am 19. Dezember 2018 von ihrem Amt als Landesvorsitzende zurück.
Anlass für ihren Rauswurf aus der Fraktion war ihr Werben für den Holocaustleugnerverein „Gedächtnisstätte“. Auf diesen Verein hielt sie 2014 eine Lobrede, in der es auch hieß: „Für unser ganzes Volk ist die Zeit gekommen, grundsätzlich umzudenken. Fast 70 Jahre Krieg und Entmündigung sind genug.“
* Moderiert wird das Treffen von Jürgen Elsässer aus Falkensee in Brandenburg. Der Ex-Linke Elsässer hat in den letzten Jahren eine scharfe Wendung nach Rechts vollzogen. Er ist seit 2010 Chefredakteur des rechtspopulistischen und verschwörungsideologischen Magazins COMPACT, für das u.a. regelmäßig der österreichische Identitären-Chef Martin Sellner oder hohe AfD-Kader schreiben.
Der „Bayrischer Rundfunk“ bezeichnete Elsässer im Januar 2016 als „Großmeister der Verschwörungstheorien“. Sein Hass richtet sich gegen Homosexuelle, Migrant*innen und Muslime. Allerdings ist er außenpolitisch bereit bei letzterem Zugeständnisse zu machen. So besuchte er mit einer Delegation 2012 den Iran um dem damaligen Präsidenten des islamistischen Gottesstaates und Holocaustleugner Mahmud Ahmadinedschad die Hand zu schütteln. Auch der vom Iran unterstützte säkulare Diktator Assad in Syrien erfährt im COMPACT-Magazin viel Lob und Verharmlosung.

Fazit: Keine Ruhe der braunen Resterampe!
In Burladingen trifft sich die braune Resterampe der AfD um darüber zu beraten, wie sie ihren Parteiausschluss und ihre Entmachtung durch die PragmatikerInnen in der Partei verhindern kann. Diese Beratung wollen wir nicht ungestört lassen.
Selbstverständlich gilt unsere antifaschistische Kritik und Gegnerschaft, nicht nur diesem Teil der AfD, sondern der AfD und allen ähnlich ausgerichteten Politikprojekten und Einzelpersonen insgesamt.

Wir möchten den antifaschistischen Protest in die Provinz tragen und unterstützen die zivilgesellschaftlichen Proteste vor Ort.
Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Tag in Burladingen eine Kundgebung vom örtlichen Bündnis angemeldet wird.
Zum Standort der Kundgebung werden wir zeitnah Neuigkeiten veröffentlichen.
Wir rufen deswegen dazu auf, am 9. Februar 13 Uhr nach Burladingen zu kommen, um gegen das AfD-Hardliner-Treffen zu demonstrieren.

ANMERKUNGEN
[1] https://www.schwaebische.de/landkreis/alb-donau-kreis/ulm_artikel,-verwaltungsgericht-lehnt-eilantrag-der-afd-gegen-die-stadt-ulm-ab-_arid,11003612.html