Archiv für August 2015

Kommentar zur Paul-Weber-Bilderschau in Hechingen

Paul-Weber-Ausstellung in Hechingen
Derzeit wird im „Hohenzollerischen Landesmuseum“ in Hechingen eine kleine Bilderschau von A. Paul Weber (1893-1980) präsentiert. Leider weist der kurze, stichwortartige und chronologische Lebenslauf am Eingang der Ausstellung nicht auf die problematischen Hintergründe dieses Künstlers hin.
Es wird zwar erwähnt dass Weber ab 1928 einer Gruppe namens „Widerstandskreis“ angehörte, aber mehr wird dazu nicht erläutert. Dabei handelte es sich bei dieser Gruppe um Ernst Niekisch und der dazugehörigen Zeitschrift „Widerstand“ („Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik“), in der Weber auch Zeichnungen veröffentlichte, um eine extrem rechte Gruppe in der Weimarer Republik, die sich gegen die parlamentarischen Demokratie positionierte. Weber war nämlich ein rechter Antidemokrat und Antisemit.
Das populäre Online-Lexikon „Wikipedia“ vermerkt in seinem Eintrag zu Weber: „A. Paul Webers ideologischer Hintergrund ist die völkisch-nationalrevolutionäre Bewegung der zwanziger Jahre. Bereits zwischen den Kriegen zeigte er sich offen antisemitisch und arbeitete in seinen Zeichnungen mit prägnanten völkischen Stereotypen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/A._Paul_Weber)
Keinesfalls ist Weber nur ein Gesellschaftskritiker seiner Zeit, wie ihn seine ApologetInnen gerne darstellen. Er illustrierte antisemitische Klassiker wie „Sünde wider das Blut“ von Artur Dinter und zeichnete gegen Liberale und Linke an, etwa wenn er Kurt Tucholsky als aufgespießte Laus zeichnete. Für ihn war der Linke Tuchosky nur auszurottendes Ungeziefer. Seine Gesellschaftskritik war nicht fortschrittlich, sondern reaktionär.
Das Weber im Juli 1937 wegen seiner Illustrationen u. a. für „Hitler – ein deutsches Verhängnis“ ins KZ Hamburg-Fuhlsbüttel eingeliefert und danach bis Dezember im Gefängnis inhaftiert war, beweist mitnichten seine demokratische Gesinnung. So mancher Rechter geriet in Konkurrenz mit dem Nationalsozialismus in die Räder von dessen Repressionsmaschinerie.
Kritisiert an Hitler wurden von der rechten Konkurrenz wie dem Widerstandskreis meist nur, dass dieser nicht konsequent genug sei und sich bis 1933 durch Wahlen legitimieren ließen, anstatt sich an die Macht zu putschen.
Weber integrierte sich offenbar nach seiner Entlassung gut in das NS-System und fertigte auch für NS-Blätter und -Verlage antisemitische Karikaturen oder kriegstreibende Propaganda an.
Davon erfährt die/der Besucher/in der Ausstellung freilich nichts. Es sind allerdings auch vor allem seine Nachkriegswerke ausgestellt. Doch auch nach 1945 behielt Weber eine problematische Bildsprache bei. Einige seiner Bilder enthalten eine auch antisemitisch zu interpretierende Ästhetik, etwa das in Hechingen ausgestellte Bild „Der Lohn“. Auf ihm sind Zeitungsausgaben zu sehen, vor denen kleine Menschen mit runder Kopfbedeckung, spitzer Nase und großen Ohren zu sehen sind. Das muss nicht, kann aber an antisemitische Bildstereotype angelehnt sein.

Es spricht nichts dagegen Kunstwerke von Weber auszustellen, aber diese sollten dann in einem kritischen Kontext gesetzt werden, etwa durch eine ausführlichere Biografie. Schade das dies nicht geschehen ist, denn so entsteht der falsche Eindruck von Weber als einem Pazifisten, fortschrittlichen Gesellschaftskritiker und gar Antifaschisten.