Edda Schmidt aus Bisingen als NSU-Mitwisserin?

ZITAT I: Die in Bisingen lebende NPD-Politikerin Edda Schmidt sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt: Sie soll Kontakt zum sogenannten NSU-Trio gehabt haben. Das sagte ein Zeuge am Mittwoch beim Prozess in München. Möglicherweise muss Schmidt (66) im NSU-Prozess demnächst als Zeugin aussagen.

Edda Schmidt bestritt gestern im Gespräch mit unserer Zeitung vehement, jemals Kontakt zu den Mitgliedern der rechtsextremen terroristischen Vereinigung gehabt zu haben: „Das ist absoluter Blödsinn, eine totale Lüge.“ Offenbar dichte sich der Zeuge da etwas zusammen. […] Im Zuge von Zeugenvernehmungen war Edda Schmidt bereits im Frühjahr 2014 ins Visier der Ermittler geraten. Im April vorigen Jahres sei sie in der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe im Beisein zweier Beamter des Bundeskriminalamts von Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten vernommen worden, sagte Schmidt gestern. Diesem habe sie „glaubhaft“ darlegen können, so Schmidt, dass sie Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe weder gekannt noch jemals getroffen habe. Dass ihr Name nun erneut auftauche, zumal im Prozess, verwundere sie. Noch überraschter reagierte die 66-Jährige gestern auf den Antrag des Verteidigers des mitangeklagten Ralf Wohlleben, der sie als Zeugin laden will: „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ Möglicherweise muss die Bisingerin demnächst vor Gericht in München aussagen.

* Steffen Maier: Bisingen Kennt NPD-Politikerin Beate Zschäpe?, 05.03.2015, http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bisingen-schmidt-bestreitet-kontakt-zu-nsu-trio.abb4e7ec-897c-47ee-b47d-f8ae90c793b0.html

ZITAT II: Der ehemalige Sänger des Liedermacher-Duos „Eichenlaub“ aus Jena hat am Mittwoch im NSU-Verfahren in München die baden-württembergische Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF) belastet.

Edda Schmidt könnte mehr über den Verbleib von Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt nach dem Abtauchen 1998 gewusst haben, als sie bisher einräumt. Der Bruder des bekannten Jenaer Neonazis André Kapke hatte Anfang 2000 eine NPD-Schulung in der „Froschmühle“ bei Eisenberg in Thüringen besucht, die zum Thema „Interessengemeinschaft Brauchtum und Kultur“ insbesondere für junge Männer in Springerstiefeln abgehalten wurde. Anmelder war Ralf Wohlleben, als Referentin trat die einflussreiche NPD-Frau Schmidt auf. Über diese Veranstaltung hatte Verfassungsschutz-Spitzel Tino Brandt seinem Amt Bericht erstattet, aber Edda Schmidt eher beiläufig erwähnt.

Der ehemalige „Eichenlaub“-Musiker sagte dagegen im Zeugenstand, Schmidt habe ihm dort quasi einen Kontakt zu einem der Fluchthelfer aus Sachsen gemacht. Der Chemnitzer Neonazi wollte über die „Kameraden“ reden. Zu dritt seien sie daraufhin in den Wald des Mühlentales gegangen. Es gehe den Dreien gut, berichtete der Chemnitzer demnach, sie lebten in einer Neubauwohnung und würden tagsüber Video spielen. Als er seinen Bruder Jahre später damit konfrontierte habe der „unwirsch“ reagiert und gesagt, dass er davon nichts wissen wolle.

Große „Blood&Honour“-Fahne auf der Bühne

Woher Spitzel Tino Brandt dieser Version zu Folge von dem Gespräch erfahren konnte, bleibt unklar. Ebenso ungeklärt ist, ob es sich bei dem Chemnitzer Informanten tatsächlich, wie Brandt behauptet, um Andreas G. handelt oder doch eher um den Fahrer des Wagens, Jan W., den damaligen Chef von „Blood&Honour“ Chemnitz. Auch dazu, wer die beiden Sachsen zur internen Landesschulung nahe Eisenberg lotste, gibt es bisher keine Antworten.

Edda Schmidt streitet die Vorwürfe als „absoluten Blödsinn“ ab. In ihrer Vernehmung im Frühjahr 2014 habe sie der Generalbundesanwaltschaft „glaubhaft“ versichtert, das Trio nicht gekannt zu haben, berichtet sie dem „Schwarzwälder Boten“.

Das Duo „Eichenlaub“ hatte nach der Flucht dem Trio das Lied „5. Februar“ gewidmet und es unter anderem 1999 bei einer Veranstaltung von „Blood&Honour“-Niedersachsen in der Nähe von Hildesheim vorgetragen. Gemeinsam standen der Gitarrist und die Sängerin Claudia alias „Jecha“ mit einem Musiker von „Skrewdriver“ auf der Bühne.

In seiner Aussage belastete der Zeuge im Münchner Prozess auch den NSU-Mitangeklagten Holger Gerlach. Der, so berichtete er, habe das Duo damals nach Niedersachsen eingeladen und die beiden auch abgeholt. In einem internen Video des Abends ist eine große „Blood&Honour“-Fahne auf der Bühne zu sehen, junge Skinheads grölen die Lieder mit. Holger Gerlach ist zu sehen, als er begeistert die Jenaer Freunde von „Eichenlaub“ beklatschte. Auch der folgende Kontakt für ein Interview mit einem „Blood&Honour“-Magazin sei dann über den in Hannover lebenden Gerlach gelaufen.

* ar: Was wusste die RNF-Frau?, 05.03.2015, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/was-wusste-die-rnf-frau

ZITAT III: Die Vermutung, dass Schmidt zumindest indirekt Kontakt zum NSU-Trio gehabt haben könnte, ist nicht völlig neu. Detailliert beschrieben ist die Szene, wie Schmidt und der Zeuge K. bei einer Schulungsveranstaltung der NPD in Thüringen im Januar 2000 auftraten in dem Buch „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“ von Stefan Aust, dem früheren Spiegel-Chefredakteur, und Dirk Laabs.

Demnach traf man sich damals in Eisenberg in einer zur Jugendherberge umgebauten ehemaligen Säge- und Getreidemühle 30 Minuten Autofahrt von Jena entfernt. Ein großer schlanker Typ, blond, „keine Szeneklamotten“ habe K. erzählt, er solle sich keine Sorgen machen. Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos spielten Playstation in einem Chemnitzer Neubaugebiet, denen gehe es gut. So schildert es Aust.

* Steffen Maier und Jonas Schreijäg: Verbindungen zum rechtsextremen Terrortrio?, 06.03.2015, http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bisingen-verbindungen-zum-rechtsextremen-terrortrio.d5ac3962-ea85-4d69-9247-28d044b8e303.html