Freitag, 27. Januar 2012, 18 Uhr, In der Alten Synagoge Hechingen, Heiligkreuzstraße 55:
Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Das Gedenken wird mit der Finissage der Ausstellung der Bilder von Andreas Felger verbunden. Es spricht dazu Oliver Kohler aus mainz. Es erklingt Musik von Arnold Schönberg.
Haigerloch – Die Polizei hat einen Neonazi aus der Untersuchungshaft entlassen, der in Haigerloch (Zollernalbkreis) mit dem Auto in eine Menschengruppe gefahren war. Eine Tötungsabsicht des 22-Jährigen habe nicht feststellt werden können, teilte die Polizeidirektion Balingen am Freitag mit. Damit entfalle auch der Verdacht des versuchten Totschlags. Gegen den Mann werde aber weiter ermittelt.
Vor rund zwei Wochen hatte der Rechtsextreme nach einer Schlägerei sein Auto in die Menge gesteuert. Drei Menschen wurden verletzt. Das Motiv für die Tat sei noch unklar, sagte ein Polizeisprecher. Einige der knapp 40 beteiligten Personen müssten noch befragt werden.
© dapd / newsburger.de – maa
In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 2012 kam es 3.30 Uhr nach einer Fasnet-Showtanzveranstaltung in der Trillfinger Festhalle zu einer Massenschlägerei, die laut Presse „offenbar von rechtslastigen Jugendlichen angezettelt wurde“. Laut Polizei hatten sieben Nazi-Skinheads etwa 20 bis 30 jüngeren Festbesucher vor der Festhalle provoziert. Die Angreifer-Gruppe bestand laut Presse aus fünf Männern im Alter zwischen 17 und 34 Jahren und zwei Frauen im Alter von 20 und 26 Jahren. Vier von ihnen kommen aus dem Zollernalbkreis und einer aus einem Nachbarkreis.
Ein 22jähriger Angehöriger der Naziskin-Gruppe setzte sich in sein Auto, fuhr in Begleitung seiner 20jährigen Freundin auf eine Menschengruppe zu und verletzte dabei drei Menschen. Die Opfer erlitten Quetschungen, Risswunden und starke Prellungen, die ärztlich versorgt werden mussten. Insgesamt wurden bei dem Angriff durch die Nazi-Skins fünf Festbesucher aus Haigerloch im Alter zwischen 21 und 24 Jahren verletzt.
Laut Presse flüchtete der Täter nach seinem Angriff, kehrte aber kurze Zeit später zu Fuß an den Tatort und zu seinen Gesinnungsgenossen zurück, die noch immer in die von ihnen angezettelte Schlägerei verwickelt waren. Die eintreffende Polizei nahm aus der Angreifergruppe fünf Personen, vier junge Männer und eine Frau im Alter zwischen 17 und 21 Jahren, vorläufig fest. Der 22jährige Auto-Amokläufer konnte ermittelt werden und sitzt wegen versuchten Totschlags in Haft.
Die Kampagne „Alboffensive – Kein brauner Alb(t)raum!“ bewertet den Angriff eines Neonazis mit einem Auto als Mordversuch, da man mit einem über eine Tonne schweren Gefährt wie einem Auto einen oder mehrere Menschen tödlich verletzen kann. Die „Alboffensive“ ist erleichtert darüber dass die Angegriffenen diesen Mordversuch überlebt haben. Die Tat zeigt zum wiederholten Male das gefährliche Potenzial neonazistischer Gewalt.
Der Fall erinnert an einen ähnlichen Angriff am 1. Oktober 2011 im Landkreis Emmendingen, Damals attackierte am Rand der kleinen Gemeinde Riegel der lokale Nazi-Kader von der „Kameradschaft Südsturm Baden“ und NPD-Sympathisant Florian Stech einen 21jährigen Antifaschisten mit seinem Auto an und verletzte in schwer.
Wir werden als „Alboffensive“ trotz der offensichtlichen Gefahr weiter gegen die braunen Umtriebe im Zollernalbkreis angehen, aus dem immerhin vier der sieben Täter vom 7. Januar 2012 kommen.
Zum Jahresabschluss hatte die „Alboffensive – Kein brauner Alb(t)raum!“ am 10. Dezember 2011 in Albstadt einen Vortrag organisiert. Trauriger Anlass war der Messer-Angriff eines mutmaßlichen Neonazis auf einen jungen Mann Ende September in Albstadt.
mehr lesen: Kampagne -> Kampagnenarchiv.
Am Morgen des 30. Septembers 2011 wurde in
Albstadt-Ebingen ein junger Mann mit einem Messer angegriffen und dabei schwer verletzt.
Der Täter trug ein T-Shirt der Marke „Thor Steinar“ und wurde von der Presse deswegen der rechten Szene zugeordnet. „Thor Steinar“ ist in
Deutschland die populärste Nazi-Modemarke.
Der Szenekenner und Referent Alex Sofo gibt Einblick in die rechte Szene und deren Codes&Styles.
Im Anschluss wird es noch genügend Raum für Diskussionen und Fragen geben.
Die Gefahr rechter Ideologie verdeutlicht sich auch in den täglich stattfindenden rechten Gewalttaten. Die Zeitungen berichteten, dass am Morgen des 30. Septembers 2011 in Albstadt-Ebingen ein junger Mann offenbar durch einen Messerangriff von einem Nazi schwer verletzt wurde. Das 27jährige Opfer hatte kurz nach 4.30 Uhr vor dem Cafe Corso in der Bahnhofstraße einen heftigen Streit mit einem 31jährigen. Dieser stach mehrfach auf sein Opfer ein. Der Verletzte konnte per Handy die Polizei zu verständigen und den Täter trotz der Verletzungen in Richtung Parkhaus Poststraße verfolgen. Dort aber verließen ihn die Kräfte. Er wurde in die Kreisklinik eingeliefert und ist nach einer Notoperation außer Lebensgefahr.
Der Täter kam aus einer Nachbargemeinde Meßstetten und trug ein Tshirt der Nazi-Modemarke „Thor Steinar“. Nach einer intensiven Fahndung wurde er von der Polizei gefasst, soll die Tat gestanden haben und sitzt in U-Haft
Die Kampagne „Alboffensive – Kein brauner Alb(t)raum“ zeigt sich entsetzt über den Mordversuch eines Neonazis in Albstadt. Die Tat hat fast einen Menschen das Leben gekostet und zeigt wie notwendig die kontinuierliche Arbeit gegen Rechts ist. Neonazis und ihre menschenverachtende Ideologie stellen eine ständige Gefahr für Menschen dar, die nicht in ihr Weltbild passen oder die sie als ihre Gegner ausmachen.
Wir fordern eine genaue Untersuchung der Tat und der Hintergründe des Täters. Zu oft wurden in Vergangenheit bereits aus fehlendem Wissen und bewussten Unwillen politische Hintergründe von rechten Übergriffen bis hin zum Mord verschwiegen, vertuscht und geleugnet. Das die Bundesregierung nur 47 der mindestens 137 rechten Morde von 1990 bis 2010 (http://www.zeit.de/themen/gesellschaft/todesopfer-rechter-gewalt/index) als solche anerkannt hat ist ein bis heute fortdauernder Skandal!
Hintergrund: „Thor Steinar“, die Lieblingsmarke der Nazi-Szene
Der Täter von Albstadt kann anhand seiner Kleidungsmarke, „Thor Steinar, fast eindeutig der rechten Szene zugeordnet werden. Doch was ist eigentlich „Thor Steinar“?
Die Nazi-Szene ist durch ihre Größe auch als eigener Absatzmarkt interessant. So entstanden neben diversen anderen Artikeln sogar eigene Kleidungsmarken für Neonazis. Die bekannteste und beliebteste darunter ist sicher die Marke „Thor Steinar“ der Firma „Mediatex GmbH“ mit Sitz in Mittenwalde in Brandenburg. Die Firma wurde von einem rechten Szene-Angehörigen gegründet und orientiert sich mit ihrer völkischen Symbolik und rechten Ästhetik auch an einer rechten Kundenklientel. Im Einzelnen ist das in der sehr lesenswerten Broschüre „Investigate THOR STEINAR – Die kritische Auseinandersetzung mit einer umstrittenen Marke“ nachgezeichnet (PDF-Version unter http://investigatethorsteinar.blogsport.de/images/investigate_thor_steinar_2_web.pdf ).
War die Marke anfangs für Uneingeweihte noch nicht eindeutig identifizierbar, so ist sie heute durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen als Nazi-Marke bekannt. Heute wissen auch normale Zeitungsleser, dass es sich bei „Thor Steinar“ um ein Produkt der rechten Szene für die rechte Szene handelt. Dadurch konnte eine Expansion von „Thor Steinar“ auf den normalen Markt verhindert werde.
Gehört die Marke auch seit 2009 einem Geschäftsmann aus den „Vereinigten Arabischen Emiraten“, so sind in die europaweite Vertriebsstruktur immer noch zahllose Neonazis eingebunden. Auch an der rechten Symbolik hat sich nur wenig geändert. Damit sie die Träger und Trägerinnen – es gibt auch eigene Frauen-Kollektionen von „Thor Steinar“ – dieser Marke in der übergroßen Mehrheit der rechten Szene zuzuordnen.
Hintergrund: „Thor Steinar“ im Zollernalbkreis
Für den Kundenkreis von „Thor Steinar“ im Zollernalbkreis ist die Marke nur per Bestellung erhältlich. Läden im Kreis, die die Marke führen, sind der Alboffensive unbekannt.
Als vor etwa drei Jahren Unbekannte die Kundendatei von „Thor Steinar“ hackten und im Internet veröffentlichten, waren unter den veröffentlichten Adressen auch mindestens 61 aus dem Zollernalbkreis. Da man davon ausgehen kann, dass es sich bei diesen Kunden und Kundinnen um Angehörige der extremen Rechten handelt, erlaubte diese Veröffentlichung interessante Einblicke. So konnte man eindeutige Schwerpunkte der rechten Szene im Landkreis ausmachen.
So waren es …
in Albstadt fünf
in Hechingen fünf
in Haigerloch drei
in Balingen elf
in Bisingen acht
in Jungingen sechs
in Burladingen 23
… Kunden und Kundinnen.
Balingen: Stadtbekannter Neonazi zückt Messer
Gefunden auf http://linksunten.indymedia.org
[…]Bereits einen Tag später ereignete sich auf einem Konzert in Balingen ein ähnlicher Zwischenfall. Dort tauchte ein stadtbekannter und extrem gewaltbereiter Neo-Nazi auf und geriet sofort in Streit mit einem Besucher. Daraufhin zückte die als Neo-Nazi bekannte Person ein Messer, welches er jedoch durch das schnelle Eingreifen von weiteren Konzertbesuchern nicht zum Einsatz bringen konnte. Der Angreifer wurde überwältigt und ihm das Messer sofort entwendet. Anschliessend wurde er von mehreren Personen vom Veranstaltungsort entfernt und blieb diesem auch weiterhin fern.[…]
Am 20. August 2011 fand neben dem Hechinger JUZ eine Aktion der Kampagne „Alboffensive – kein brauner Alb(t)raum!“ statt, bei der alte Fahrräder gesammelt und wieder straßenverkehrstauglich gemacht wurden. Sie sollten dann den Flüchtlingen aus dem Hechinger Asylheim als kostengünstiges Fortbewegungsmittel zur Verfügung gestellt werden.
Die Aktion begann 9 Uhr am Morgen und…. mehr lesen.
Wie im letzten Jahr, so war auch in diesem Jahr die Kampagne „Alboffensive – kein brauner Alb(t)raum!“ am 2. Juli 2011 mit einem eigenen Stand auf dem „use your summer“ in Hechingen vertreten.
Hier gibts noch mehr zu lesen und Fotos zu betrachten: Kampagne -> Kampagnenarchiv.
Wieder Naziaktivitäten…
Hier: Chronologie.
Dieses Mal ging es mit der „Alboffensive“ nach Haigerloch. In Kooperation mit der Tübinger Veranstaltungsgruppe „Input“ (http://input.blogsport.de) nahmen 29 Personen aus dem Zollern-Alb-Kreis und Tübingen bei schönem Sonnenschein an einer Führung zur jüdischen Geschichte Haigerlochs teil.
Hier: Kampagne -> Kampagnenarchiv.
Referer der letzten 24 Stunden:

